Schweigende Mehrheit muss sich gegen Rechtsextreme erheben

Von Martina Schwager

Celle. Der Theologe Wilfried Manneke hat die Bürger und die Kirchen in Deutschland aufgefordert, sich deutlicher gegen Rechtsextremismus zu positionieren. Vor dem Hintergrund eines geheimen Treffens Rechtsextremer in Potsdam unter Beteiligung der AfD sei es „höchste Zeit, dass die schweigende Mehrheit sich erhebt“, sagt der Pastor und Vorsitzende der Initiative „Kirche für Demokratie – gegen Rechtsextremismus“ Niedersachsen. 23 Jahre lang war der gebürtige Delmenhorster als Gemeindepfarrer der Friedenskirche in Unterlüß bei Celle tätig.

Die AfD zeige zunehmend ihr wahres Gesicht und werde der rechtsextremen NPD immer ähnlicher. „Jetzt müssen die Alarmglocken läuten. Alle, denen die Demokratie etwas wert ist, müssen das Wort ergreifen, unter Umständen sogar Demonstrationen organisieren und auf die Straße gehen.“ Auch die Bischöfinnen und Bischöfe sollten ihre Stimme erheben und eindeutig Stellung beziehen, verlangt Manneke.

Jeder könne Leserbriefe schreiben oder sich sonst öffentlich äußern. Ebenso wichtig sei jedoch der Widerspruch gegen rechte Parolen im eigenen privaten Umfeld. Wie das gelingen kann, erklärt der Pastor seit Jahren in seinen Workshops für eine Gesprächsführung mit Menschen, die einer rechten Ideologie anhängen.

Das Recherchenetzwerk Correctiv hat kürzlich einen Bericht über ein Treffen von hochrangigen AfD-Politikern, Neonazis und Unternehmern veröffentlicht, bei dem Pläne zur Vertreibung von Millionen Menschen aus Deutschland besprochen worden sein sollen. Demnach sollten nicht nur Menschen ohne deutschen Pass das Land verlassen müssen, sondern auch deutsche Staatsbürger mit internationalen Wurzeln.


Manneke betont, er habe den Eindruck, dass die meisten Menschen die Entwicklung als eine Zeiterscheinung betrachteten, die wieder vorbeigehe. Das sei gefährlich. Gerade mit Blick auf die in diesem Jahr anstehenden zahlreichen Wahlen in einigen Bundesländern, aber auch in vielen europäischen Staaten „können wir uns nicht länger bequem zurücklehnen“. Die AfD erhalte immer mehr Zuspruch. Er sei erschrocken, wie vielen Menschen die Demokratie offenbar egal zu sein scheine.

Wenn im März die ehrenamtlichen Kirchenvorstände oder Gemeindekirchenräte neu gewählt werden, ist auch dabei eine klare Haltung gefragt. „Christen können sich nicht neutral verhalten, wenn Menschen ausgegrenzt, verachtet, verfolgt oder Opfer brutaler Gewalt werden“, heißt es in einer Stellungnahme der Initiative „Kirche für Demokratie – gegen Rechtsextremismus“, die auf Mannekes Website manneke.wir-e.de nachzulesen ist.

Die AfD nutze die Unzufriedenheit vieler mit der Regierungspolitik aus und hetze gegen Politiker der Ampelkoalition, sagt der Träger des Paul-Spiegel-Preises für Zivilcourage. Die Partei präsentiere aber selbst nie Lösungen für die bestehenden Probleme. Wer Äußerungen von AfD-Politikern analysiere, komme schnell zu dem Schluss, dass viele eindeutig rechtsextrem, hetzerisch gegenüber Ausländern und gegen den demokratischen Staat gerichtet seien. Seiner Ansicht nach müsse die AfD verboten werden.

Manche Menschen mit Migrationshintergrund hätten mittlerweile Angst vor einer weiteren Eskalation und überlegten, Deutschland zu verlassen. „Einige sitzen schon auf gepackten Koffern.“ Dagegen müsse gerade die Kirche etwas unternehmen. Sie habe aus der Bibel heraus eine besondere Verantwortung gegenüber Geflüchteten.     EZ/epd

Das Leben ist nicht schwarz weiss

Songs voller Seele & Geschichten mit Humor, Herz und Hirn.

Konzertlesung mit Judy Bailey und Patrick Depuhl


Die Initiative „Kirche für Demokratie - gegen Rechtsextremismus“ Niedersachen  lädt herzlich ein:


  • Sonnabend, 17. Februar 2024, 19.00 Uhr
  • Neustädter Hof- und Stadtkirche St. Johannis, Rote Reihe 8, 30169 Hannover
  • Eintritt: frei


Im Rahmen ihrer Vollversammlung lädt die Initiative "Kirche für Demokratie - gegen Rechtsextremismus“ Niedersachsen herzlich zu einer Konzertlesung mit Judy Bailey und Patrick Depuhl ein. Mit einem neuem Format möchten wir Sie einladen, die IKDR kennen zu lernen und mit uns ins Gespräch zu kommen. Anders als in den vergangenen Jahren soll es diesmal keinen Vortrag geben. Stattdessen konnten wir Judy Bailey und Patrick Depuhl gewinnen, um uns in einer Konzertlesung mit dem Thema "Das Leben ist nicht Schwarz-Weiss." durch den Abend zu geleiten.


Die nicht-öffentliche Mitgliederversammlung findet diesmal ab 16.00 Uhr vor dem Konzert statt. Somit laden wir auch alle IKDR-Mitglieder ein, zu bleiben und mit uns den Abend in der Neustädter Hof- und Stadtkirche zu verbringen.

Das Musikerehepaar Judy Bailey und Patrick Depuhl ist seinen Wurzeln nachgegangen. Auf den ersten Blick könnten sie unterschiedlicher nicht sein. Judy Bailey stammt aus Barbados, ihre Vorfahren haben die Sklaverei überlebt. Patrick Depuhl ist ein Kind aus dem Ruhrpott. Seine Wurzeln führen zu einem Lebensborn-Heim der SS. Auf ihrer Spurensuche sind sie nicht nur über ein Familiengeheimnis gestolpert, sondern haben auch festgestellt, dass im Leben ihrer Vorfahren ein Grundrecht mit Füßen getreten worden ist: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Welche Auswirkungen hat das bis heute? Wie hat es die beiden verändert? Die Auseinandersetzung mit ihren Wurzeln ist einer der Gründe dafür, dass sich die Eheleute Judy Bailey und Patrick Depuhl heute für ein respektvolles Miteinander und gegen Rassismus im Alltag einsetzen.

Mit freundlichen Grüßen,
Wilfried Manneke

Vorsitzender:
Initiative „Kirche für Demokratie - gegen Rechtsextremsimus“ Niedersachsen

www.ikdr-niedersachsen

Beratungsstelle
gegen Rechtsextremismus

"Arbeit und Leben" richtet in Eschede ein neues Angebot ein.


Wir machen uns stark für Demokratie, Solidarität und Weltoffenheit in ganz Niedersachsen. Und ganz besonders ab sofort in Eschede: Hier versucht die faschistische NPD seit Jahren, Fuß zu fassen — und schon genau so lange engagieren sich vor Ort viele Menschen dagegen. Genau die wollen wir künftig noch besser unterstützen und mit Bildungs- und Beratungsangeboten Vereine und Verbände und die Dorfgemeinschaft stärken. Deshalb richten wir mit Unterstützung der Gemeinde und des Niedersächsischen Innenministeriums ab sofort eine Beratungs- und Vernetzungsstelle ein.

Die Gemeinde hat sich dafür zusammen mit dem Bündnis gegen Rechtsextremismus vor Ort schon lange eingesetzt. Wir freuen uns jetzt sehr, dass wir das möglich machen können. Direkter Ansprechpartner wird Michael Höntsch sein, der als Pädagoge über langjährige Expertise verfügt. Mehr Infos zum Projekt gibt es hier:

Arbeit und Leben: Beratungs- und Vernetzungsstelle gegen Rechtsextremismus in Eschede


Arbeit und Leben - ist eine Einrichtung der Politischen Jugend- und Erwachsenenbildung. Sie wird getragen vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) und dem Deutschen Volkshoch-schulverband (DVV). Die Arbeitsschwerpunkte liegen in der politischen und sozialen Bildungsarbeit.

Bündnis gegen Rechtsextremismus 

Marlies Petersen wurde zur Sprecherin des Bündnisses in Eschede gewählt.

Seit vielen Jahren ist sie einer der führenden Köpfe in Eschede beim ehrenamtlichen Einsatz gegen Rechtsextremismus. Nun hat Marlies Petersen die Funktion der Sprecherin des örtlichen Bündnisses gegen Rechtsextremismus (BgR) übernommen. Von der neuen Beratungs- und Vernetzungsstelle erhofft sie sich eine enge Zusammenarbeit. Michael Höntsch sei der richtige Ansprechpartner. „Wir haben schnell einen Draht zueinander gefunden“, sagt Petersen.

Die Lokalpolitikerin, die für die Grünen im Gemeinderat und im Kreistag sitzt, wurde Ende März zur neuen Sprecherin des BgR und damit zur Nachfolgerin von Maximilian Baden gewählt, der in Kürze zum zweiten Mal Vater wird und für das Amt nicht mehr zur Verfügung steht. Petersen wiederum hat bereits vor rund 15 Jahren den Arbeitskreis gegen Extremismus mitgegründet – einer der Vorläufer des heutigen BgR.

Das ehrenamtliche Engagement sei wichtig für das Konstrukt des Bündnisses an sich. „Aber wir brauchen jemanden, der außerhalb von engagierten Bürgern Menschen zusammenbringt“, so Petersen. Es gehe dabei um den Austausch mit Polizei, Ordnungsamt und anderen Institutionen sowie um die Beratung von Vereinen, Schulen und Kindergärten. Außerdem geht es bei der Zusammenkunft um künftige Aktionen. Veranstaltungen wie „Unsere starke Stimme für Eschede“, das Bürgerfrühstück oder die lebendige Lichterkette sollen auf jeden Fall fortgesetzt werden, so Petersen.

Quelle: Cellesche Zeitung, 15. April 2023, Carsten Richter

Ausstellung

Todesopfer rechtsextremer Gewalt

Unsere neu erstellte Ausstellung „Todesopfer rechtsextremer Gewalt“ ist zum ersten Mal verliehen worden. Sie steht zurzeit in der Moschee in Hildesheim. Die Ausstellung wurde am 21. März (Internationaler Tag gegen Rassismus) dort eröffnet. Erbauer der Ausstellung ist Karl-Heinz Hufenbach, Gründungsmitglied des Netzwerkes Südheide gegen Rechtsextremismus.

 

Die Ausstellung enthält sechs Wände. Die Wände können als Seckseck oder auch einzeln aufgestellt werden. Die Amadeu Antonio Stiftung zählt seit der Wende (1990) 214 Todesopfer rechtsextremer Gewalt und 15 Verdachtsfälle. Allein zehn Opfer kommen aus Niedersachsen. Alle Opfer werden in der Ausstellung namentlich erwähnt und in jedem einzelnen Fall auch beschrieben, wie es zu der Tat gekommen ist.

 

Wer die Ausstellung ausleihen möchte, kann sich bei uns melden: info@netzwerk-südheide.de Wir erheben keine Ausleihgebühr, sondern bitte die Ausleiher*in um eine Spende. Die Ausstellung lässt sich in einem PKW transportieren.

 
Todesopfer rechtsextremer Gewalt in der Bundesrepublik Deutschland gibt es seit deren Gründung. Bis 1990 wurden sie staatlich nicht gesondert erfasst. Das Bundeskriminalamt (BKA) registrierte rechtsextreme Tatmotive bei Tötungsdelikten erst seit 1990 als „Hasskriminalität“ gegen bestimmte Opfergruppen, etwa Ausländer, Behinderte, Homosexuelle, Obdachlose oder Spätaussiedler. Seit den rechtsextremen Mordanschlägen auf Asylbewerber und Türkeistämmige in Deutschland ab 1990 begannen Opferschutz-Initiativen die Zahlen dieser Angriffe und ihrer Opfer zu registrieren.

Seit Jahren beklagt die Amadeu Antonio Stiftung die große Diskrepanz der unterschiedlichen Zählweise von Todesopfern rechter Gewalt. Staatliche Behörden zählen anders als unabhängige Organisationen. Die Bundesregierung bewertet lediglich 106 Tötungsdelikte als rechts motiviert, während die Amadeu Antonio Stiftung auf eine weitaus höhere Zahl kommt, nämlich mindestens 214 Todesopfer seit dem Wendejahr 1990 und 15 weitere Verdachtsfälle.

Wir über uns

Das „Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus“ ist im Landkreis Celle ansässig. Es ist ein bürgerschaftliches Bündnis und besteht aus 13 rein ehrenamtlichen, aktiven Mitgliedern und ca. 600 - 700 solidarisch erklärten Unterstützern. Wir sind kein Verein, weil wir uns unsere freie und unbürokratische Herangehensweise erhalten möchten. Das Netzwerk wurde 2009 von verschiedenen Einzelpersonen und Bündnispartnern gegründet. Anlass war die Besetzung des „Landhotels Gerhus“ in Faßberg durch Neonazis um den NPD-Bundesvize Jürgen Rieger.


Nachdem erfolgreich verhindert werden konnte, dass aus dem Landhotel in Faßberg ein Neonazi-Schulungszentrum wurde, ist es unser Ziel heute, die vielen, jährlich sich wiederholenden Neonazi-Treffen auf dem NPD-Hof in Eschede zu verhindern. Dort trifft sich bereits seit über 30 Jahren die norddeutsche Neo-Nazi-Elite, um Verbindungen zu festigen, Aktionen zu planen, sowie „rechte Erlebniswelten“ besonders für Jugendliche zu schaffen. Diese nach Außen harmlos wirkenden Veranstaltungen laufen unter dem Deckmantel „Brauchtumsveranstaltungen“. Die Sonnwendfeiern im Juni und Dezember, sowie die „Reichserntefeste“ im September dienen in Wahrheit dazu, traditionelle NS-Ideologie zu leben und zu verbreiten.

Mit unseren Demonstrationen und Protestaktionen wollen wir die Öffentlichkeit auf jedes dieser Treffen aufmerksam machen und drängen die Bürgerinnen und Bürger in unserer Region, sich mit den Themen Rassismus und  Rechtsextremismus auseinander zu setzen und Stellung zu beziehen. Wir klären auf und fordern ein Ende dieser Treffen. Unsere Demonstrationen gestalten sich von Jahr zu Jahr aufwändiger und phantasievoller, um mehr Bürger zum Mitmachen zu bewegen.

Delegation aus der Südheide überreicht
"Offenen Brief" an Niedersachsens Innenminister

Herzlichen Dank an alle, die unsere Aktion unterstützt haben. Fast 41.000 Unterschriften haben wir erhalten. Neben der Online-Petition auf change.org/npd-zentrum-eschede waren in unserer Region auch Unterschriftenlisten im Umlauf.


Am 7. Juli 2021 haben wir Niedersachsens Innenminister Pistorius unseren offenen Brief mit fast 41.000 Unterschriften übergeben. Neben dem Minister waren bei der Übergabe auch mehrere Landtagsabgeordnete anwesend. Wir waren mit ungefähr vierzig Personen zur Übergabe aus der Südheide gekommen. Sie fand auf dem "Platz der Göttinger Sieben" am Niedersächsischen Landtag statt. Auch "Omas gegen Rechts" aus Hannover waren dabei.

Im Namen der drei Initiativen, die den Offenen Brief geschrieben und die Unterschriftenaktion durchgeführt haben, bedanke ich mich bei allen Unterstützer*innen sehr herzlich.

                               Wilfried Manneke


Offener Brief an Innenminister

Sehr geehrter Herr Minister Pistorius,

seit über 30 Jahren ist der Hof Nahtz in Eschede Zentrum verschiedenster rechtsextremistischer Kreise und Organisationen. Hier versammeln sich Neonazis aller Schattierungen, neonazistische Jugendorganisationen, junge und alte NPDler usw. Brauchtumsfeiern dienen der Stärkung der Szene nach innen. Kinder und Jugendliche werden früh auf das rechtsextremistische Gedankengut eingeschworen. Die Gewaltbereitschaft der Szene wird immer wieder deutlich, sei es durch erhebliche Waffenfunde bei Hausdurchsuchungen und aggressivem Auftreten gegenüber der Bevölkerung.


Schon seit Beginn des rechtsextremistischen Treibens ist der zivilgesellschaftliche Widerstand aktiv. Jede Veranstaltung der Rechtsextremisten ist von Protesten begleitet. Rat und Verwaltung der Gemeinde Eschede haben sich eindeutig positioniert.

2019 hat die NPD-Niedersachsen das Anwesen übernommen. In der Region wächst die Sorge, dass hier erneut ein Schulungszentrum für rechtsradikale Aktivitäten und Gesinnung entsteht. Das Neo-Nazizentrum „Hetendorf 13“ wurde 1998 vom damaligen Innenminister Glogowski wegen Verfassungswidrigkeit geschlossen.

Die Situation ist für die Menschen in Eschede und Umgebung unerträglich. Es muss gehandelt werden! Wir bitten Sie, Herr Minister, alle rechtlichen Möglichkeiten zu prüfen und auszuschöpfen. Unser Widerstand wird anhalten und wachsen bis zu einem Verbot der rechtsextremen Aktivitäten auf dem Hof. Das NPD-Zentrum in Eschede muss geschlossen werden!

  • Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus
  • Bündnis gegen Rechtsextremismus Eschede
  • Forum gegen Gewalt und Rechtsextremismus Celle

Links zu Presseberichten:

Celler Presse
Cellesche Zeitung
ZDF