Argumentationstraining gegen Stammtischparolen von Rechts

  • Samstag, 1. Februar 2020, 11.00 Uhr bis 17.00 Uhr
  • Volkshochschule Celle, Trift 17, Raum 3, 29221 Celle

Wir alle kennen das: In der Diskussion mit dem Arbeitskollegen, dem Gespräch mit der Tante oder beim Grillen mit dem Sportverein fallen Sprüche, die uns die Sprache verschlagen. Später ärgern wir uns, denken, da hätten wir gerne den Mund aufgemacht, widersprochen, die rechten Parolen nicht einfach so stehen lassen. Hier wollen wir ansetzen und Menschen in die Lage versetzen, die Schrecksekunde zu überwinden, Position zu beziehen und deutlich zu machen: Das nehmen wir nicht länger hin!

Denn der Stammtisch ist überall: An der Kasse des Bio-Supermarktes, auf dem Spielplatz, in der Bahn oder in der Uni-Lerngruppe. Aber: Wir sind auch überall und wir können durch Widerspruch, deutliches Positionieren und engagierte Diskussionen ein Zeichen setzen, die Stimmung in unserem Umfeld beeinflussen und unentschlossenen Menschen ein Beispiel geben. Dazu wollen wir uns in Trainings mit Strategien beschäftigen, die uns ermöglichen, den Parolen der Rechtspopulisten und ihrer Anhänger Paroli zu bieten. Wir wollen gängige rechte Positionen untersuchen und wir wollen gemeinsam üben, das Wort zu ergreifen und für solidarische Alternativen zu streiten statt für Ausgrenzung und Rassismus.

Eine Kooperationsveranstaltung der vhs mit dem Celler Forum gegen Gewalt und Rechtsextremismus und Aufstehen gegen Rassismus.

https://www.vhs-celle.de/programm/mensch-und-gesellschaft/kurs/Stammtischkaempferinnen-Ausbildung/nr/20ACE1216/bereich/details/kat/115/#inhalt

Tannenberg -

ein  KZ-Arbeitslager in Altensothrieth / Unterlüß


Veranstaltung anlässlich des Holocaust-Gedenktages 2020

Termin:

       26. Januar 2020, 19.30 Uhr

Ort:

       Ludwig-Harms-Haus in Hermannsburg, Harmsstraße 2, im Aira-Saal

Referenten:

       Wilfried Manneke
       Hendrik Altmann
       Peter Heine

Moderation:

       Peter Buttgereit

Tannenberglager -
Außenstelle des KZ Bergen-Belsen


Als deutsche Truppen 1944 Ungarn besetzten, war Edith Balas, eine Jüdin, erst 14 Jahre alt. Edith und ihre Eltern wurden nach Auschwitz deportiert. Edith entging der Gaskammer nur, weil sie sich als 16-jährige ausgegeben hatte.  Somit galt Edith als arbeitsfähig. Mit anderen Frauen wurde sie in einen Viehwaggon gepfercht und in das „Tannenberglager“ gebracht. Auf ihrer Häftlingskleidung stand die Nummer 463.

Zwischen August 1944 und April 1945 existierte bei Altensothrieth – rund 4 km westlich von Unterlüß – ein Außenlager des KZ Bergen-Belsen, das sogenannte „Tannenberglager“. Es bestand aus mindestens sechs Baracken, in denen unter anderen die weiblichen jüdischen Häftlinge untergebracht waren, die insbesondere aus dem KZ Auschwitz kamen.

In den vorhandenen Zeitzeugenberichten wird neben der körperlich schweren Arbeit, mangelnder Ernährung, Krankheiten und Kälte, auch die rohe Behandlung durch das Wachpersonal beschrieben. Die Frauen schliefen auf Strohmatratzen. Zu essen gab es am Tag meist nur eine Suppe. Die Frauen arbeiteten  täglich mindestens 12 Stunden. Sie mussten unter anderem Straßen- und Gleisbauarbeiten verrichten – später wurden sie auch in der Rüstungsproduktion eingesetzt.

Kurz vor Kriegsende erfolgte die Räumung des Lagers. Man brachte die Frauen in das KZ Bergen-Belsen. Dort mussten die Frauen noch bis zum 15. April ausharren, dem Tag der Befreiung duch britische Truppen.

Die Zustände in Bergen-Belsen waren verheerend. Hunderte von Leichen lagen auf dem Boden. Typhus und Ruhr wüteten. Schon nach wenigen Tagen hatten sich die Häftlinge aus Unterlüß angesteckt, viele starben.

Trotz der heute noch auffindbaren Relikte geriet das Tannenberglager in Vergessenheit. Vor diesem Hintergrund stellt die Aufarbeitung der historischen Zusammenhänge aus heutiger Sicht eine geschichtsbewußte und zugleich inhaltlich anspruchsvolle Aufgabe dar.

Darum bemüht sich seit über zwei Jahren eine überparteiliche Gruppe in der Gemeinde Südheide, in Zusammenarbeit mit der Rheinmetall AG, die sich ebenfalls an der Aufarbeitung beteiligt. Auch die Gemeindeverwaltung Südheide unterstützt das Projekt. Ein Ziel  ist die Errichtung einer Gedenkstätte in Unterlüß,an der respektvoll an die Insassen der Unterlüßer Lager erinnert werden soll

Der Holocaust-Gedenktag 2020 greift das Thema „Tannenberg“ ebenfalls auf. Seit 1996 veranstaltet der SPD-Ortsverein Südheide (bis 2014 Hermannsburg) in Zusammenarbeit mit dem überparteilichen Verein „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ Berlin, den Gedenktag in diesem Jahre zum 25. mal. Drei Referenten stehen zur Verfügung.

Wilfried Manneke, Pastor i. R., dem 2018 der Paul-Spiegel-Preis für Zivolcourage verliehen wurde, setzt  sich seit Jahren gegen Rechtsradikalität ein, tritt Neo-Nazis mutig entgegen. Edith Balas veröffentlichte 2010 das Buch „Vogel im Flug“, in dem sie auch ihre ca acht Monate Zwangsarbeit im „Tannenberglager“ schildert. Das Buch wurde 2013 ins Deutsche übersetzt und die Autorin schickte 4 Exemplare an die Gedenkstätte Bergen-Belsen, die eines davon auch an Wilfried Manneke weiterleitete. Er bedankte sich bei Edith Balas und erhielt nach dem Tod des Übersetzers die restlichen übersetzten Exemplare, die er verteilte. Pastor Manneke wird an das Schicksal von Edith Balas erinnern.

Hendrik Altmann, geb. 1987, Wirtschaftsjurist,Heimatforscher und ehrenamtlich Beauftragter für die archäologische Denkmalpflege wurde im Rahmen von Recherchen         in historischen  Karten der Unterlüßer Umgebung auf das „Tannenberglager“ aufmerksam. Das Lager war im Maßstab 1:25.000 in einem Messtischblatt des britischen War Office verzeichnet. Nachdem er ermittelt hatte, dass sich dort ein KZ-Außenlager befunden hat, stellte er weitere Nachforschungen mittels Zeitzeugenberichten und in Archiven an. In seinem Blog „Found-Places-Heimatforschung im Raum Celle“ sowie in den lokalen und regionalen Medien berichtete er darüber.

Peter Heine wurde 1955 in Unterlüß geboren. Es gab dort einen „Lagerkomplex“. Eine Baracke weckte das Interesse von Peter Heine.Er wollte wissen,welche Funktion sie im Krieg hatte. So begann er im März 1995 mit Recherchen, die bis heute immer noch viele Fragen offen lassen.Die Nachforschungen beschränken sich in erster Linie auf ausländische Fremd- und Zwangsarbeiter, das Arbeitserziehungslager (AEL), auf das Säuglingsheim und auf die jüdischen Insassen des Tannenberglagers.

Antisemitismus heute -

Erfahrungen, Einordnung und Anfragen an die Evangelische Kirche


  • Freitag, 7. Februar 2020, 14.30 Uhr
  • Haus kirchlicher Dienste, Archivstraße 3, 30169 Hannover

Herzliche Einladung zur Teilnahme an der 9. Vollversammlung der Initiative ´Kirche für Demokratie - gegen Rechtsextremismus´
in der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers
(IKDR)

Öffentlicher Teil:
14:30 h Eröffnung und Andacht durch den SprecherInnenrat
14.50 h Vorträge und Aussprache zum Thema: Antisemitismus heute - Erfahrungen, Einordnung und Anfragen an die Evangelische Kirche.

1. Referent: Konstantin B. Seidler

Er ist Dipl. Sozialwissenschaftler und seit über 10 Jahren Referent für politische Bildung mit dem Schwerpunkt „Antisemitismus damals und heute“ sowie Lehrbeauftragter an der Hochschule Hannover. Er ist aktives Mitglied der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover und engagiert sich hier besonders im inter-religiösen und inter-kulturellen Dialog sowie im Bereich der Empowerment-Arbeit für junge jüdische Erwachsene. Der Vortrag zeigt auf, wie heutiges jüdisches Leben in Deutschland aussieht und mit welchen Erfahrungen Jüdinnen und Juden konfrontiert sind. Es werden anhand von Erfahrungsberichten die verschiedenen Ausdrucksformen des heutigen Antisemitismus verdeutlicht, um die Wahrnehmung und das Erkennen von Antisemitismus zu fördern. Dies ist die Voraussetzung für die Entwicklung von Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit Antisemitismus, welche ebenso im Vortrag aufgezeigt werden.

2. Referent: Dr. Christian Staffa

Er ist Antisemitismusbeauftragter der EKD seit Oktober 2019, Studienleiter an der Evangelischen Akademie zu Berlin, Mitbegründer der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus und des Netzwerkes antisemitismus- und rassis-muskritische Religionspädagogik und Theologie. Im Vortrag zeigt er auf, wie sich die kirchliche Tradition zu Unrecht antijüdisch po-sitioniert hat, denn nicht nur war und bleibt Jesus Jude, sondern die ganze Schrift oder die Schriften sind nicht vom Judentum und der bedingungslosen Angewiesen-heit auf das Judentum damals und heute zu trennen. Der Nährboden des Antise-mitismus ist auch das christliche Selbstbild, das mit den eigenen Defiziten und Schuldgefühlen nicht umzugehen weiß. Der Vortrag wird diese These ausdeuten und Ansätze zu einer Bearbeitung versuchen.

16:15 h Pause mit kleinem Imbiss

Nichtöffentlicher Teil  (Nur für Mitglieder der IKDR)


16.45 h Fortsetzung des geschäftlichen Teil der IKDR-Vollversammlung.

Alle IKDR-Mitglieder haben bereits in einer gesonderten E-Mail die Tagesordnung, das Protokoll, die IKDR-Geschäftsordnung und den Anmeldebogen erhalten.

18.00 h Ende der Vollversammlung


Mahnwache

gegen braune Sonnwendfeier in Eschede


  • Samstag, 20. Juni 2020, 14.00 Uhr.
  • Treffpunkt an der L 281, Kreuzung "Am Dornbusch / Zum Finkenberg"


Immer wieder finden auf dem NPD-Hof in Eschede Neonazi-Treffen statt. Besonders die „Sonnwendfeiern“ und das „Erntefest“ haben schon eine lange Tradition. Die Neonazis bezeichnen diese Feste als Brauchtumsfeiern. Ihr eigentliches Ziel ist es aber, auf diesen Zusammenkünften der norddeutschen Neonazi-Szene Kontakte zu pflegen, Termine abzusprechen und neue Aktionen vorzubereiten. Somit sind diese „Sonnenwendfeiern“ alles anderes als harmlos. Deshalb protestieren wir auch vehement gegen diese Treffen.

Wegzuschauen wäre das völlig falsche Signal. Dort, wo Neonazis ungestört handeln können, machen sie sich breit. Ihre Szene verfestigt sich und sie nutzen die Gelegenheit, besonders junge Leute in ihre Kreise zu ziehen.

Logo: Kampagne "Kein Ort für Neonazis" der Amadeu Antonio Stiftung.

Rechtspopulismus - eine antidemokratische Versuchung


Vortrag  anlässlich des 10-jährigen Jubiläums
des "Netzwerkes Südheide gegen Rechtsextremismus"


  • Referent: Elvin Hülser vom Antikriegshaus in Sievershausen
  • Termin: Mittwoch, 15. Januar 2020, 19.30 Uhr
  • Ort: Evangelisches Bildungszentrum, Lutterweg 16, 29320 Hermannsburg

Populistische Bewegungen und Parteien erhalten in den letzten Jahren enormen Zulauf, sei es in verschiedenen Ländern Europas oder auch in den USA. Während Deutschland lange Zeit immun gegenüber populistischen Strömungen zu sein schien, zeugen die Erfolge der AfD bei Landtagswahlen, der Bundestagswahl und den Wahlen zum Europäischen Parlament, aber auch Phänomene wie die PEGIDA-Bewegung davon, dass insbesondere der Rechtspopulismus auch in Deutschland dabei ist, sich zu etablieren. In Polen und Ungarn machen sich autoritäre Regierungen an den Umbau demokratischer Institutionen und den Abbau liberaler Freiheiten, in vielen anderen Ländern Europas sind rechtspopulistische Parteien und Bewegungen an den Regierungen beteiligt oder zumindest eine einflussreiche politische Größe geworden.

Die einen sehen hierin eine akute Gefahr für die westlich-liberalen Demokratien, andere wiederum einen womöglich heilsamen Weckruf für die Demokratie. Die als Populisten bezeichneten selbst behaupten von sich, die wahren Vertreter ihres jeweiligen Volkes zu sein und als einzige deren Interessen wahrzunehmen.

Dieser Darstellung widerspricht Elvin Hülser, Referent für Friedensfragen des Antikriegshauses Sievershausen, in seinem Vortrag "Rechtspopulismus – eine antidemokratische Versuchung" entschieden.

Populistische Akteure nehmen für sich in Anspruch, im Namen des Volkes zu sprechen und zu handeln. Demokratische Aushandlungsprozesse, politische Kompromisse, Toleranz und Schutz von Minderheiten und Individuen im Rahmen eines gewaltenteilig organisierten Rechtsstaats sind in diesem Verständnis letztlich unnötig.

Die Absolutheit der eigenen (Vertretungs-)Ansprüche, die daraus folgende Verachtung für die Regeln und Ausgleichsmechanismen der Demokratie, die Missachtung rechtstaatlicher Prinzipien machen den Populismus zu einer antidemokratischen, autoritären Versuchung in Zeiten, in denen viele Menschen verunsichert sind.

Folgenden Fragen soll in der Veranstaltung u.a. nachgegangen werden: Was macht den Populismus aus, wodurch ist er gekennzeichnet? Was macht den Rechtspopulismus heute so attraktiv? Inwiefern stellt er eine Versuchung in Zeiten der Verunsicherung dar – und woher rührt diese Verunsicherung und Unzufriedenheit in immer größeren Teilen der Bevölkerung? Warum stellt der Populismus eine Gefährdung der Demokratie dar und warum lohnt es sich überhaupt, diese zu verteidigen?

Elvin Hülser, Geschäftsführer und Referent für Friedensfragen des Antikriegshauses im Friedens- und Nagelkreuzzentrum Sievershausen. Arbeitsschwerpunkte sind Themen der Friedens- und Sicherheitspolitik, der zivilen Konfliktbearbeitung sowie Demokratieförderung und die Auseinandersetzung mit Populismus, Extremismus und Fundamentalismus.
Das Antikriegshaus ist einer der Begegnungsorte des Friedens innerhalb der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers im Rahmen des Prozesses „Kirche des gerechten Friedens werden“.