Die Wiking-Jugend (WJ)

"Hetendorf 13" war auch das Zentrum der Wiking-Jugend

Rechtsextremes Schulungszentrum "Hetendorf 13"

Herausgegeben vom "Hermannsburger Arbeitskreis gegen Hetendorf 13"

Hermannsburg, im Juni 1997


Die „Wiking-Jugend" war bis zu ihrem Verbot im November 1994 mit rund 500 Mitgliedem und etlichen Sympathisanten und Unterstützern die größte neonazistische Jugendorganisation in der Bundesrepublik. Sie ging 1952 aus den Jugendverbänden der „Sozialistischen Reichspartei (SRP)" hervor, die kurz davor aufgrund ihrer Ähnlichkeit zur NSDAP verboten worden war.
 
Die Oberen der WJ machten nie einen Hehl daraus; dass es ihr erklärtes Ziel war, das nationalsozialistische Gedankengut in ihrer Organisation weiterleben zu lassen. So war die WJ getreu ihrem Vorbild der „HitlerJugend" streng nach dem Führerprinzip geordnet. Die einzelnen Gruppen wurden in „Gaue" und „Horste" gegliedert, „Jungen- und Mädchenschaften" mussten sich paramilitärischem Drill unterziehen. So traten die „Pimpfe" und „Jungmädel" ab einem Alter von sechs Jahren uniformiert auf und mussten „Wehrkämpfe", „Pimpfproben" und „Wolfsangelmärsche" absolvieren.
 
Das politische Schulungsprogramm der WJ beinhaltete offen vorgetragenen Rassismus, Antisemitismus und eine sogenannte „Nordland-Ideologie", die die Überlegenheit des „nordischen Menschen" konstatierte. In Publikationen der WJ wie dem Vereinsorgan „Wikinger" wurde Hetze gegen Ausländer, Andersdenkende und soziale Minderheiten betrieben. Einige Kostproben:

  • „Millionen von Orientalen, Asiaten und Negern überschwemmen unser Land" (Extra-Wikinger 1985)
  • „Das Deutsche Reich bleibt immer unsere Verpflichtung - Nordland heißt unsere Aufgabe. Im Reich liegt das Heil unseres Volkes, im Heil der nordischen Völker liegt die Zukunft unserer Art." (Fahrtenplan der WJ 1991)

 
Um dieses „Heil" zu erringen, suchte die WJ immer mehr den Kontakt zu militant rechtsextremistischen Gruppierungen. Kontakte bestanden zum ganzen rechten Spektrum, da ein Großteil der Funktionäre in der Szene durch die Reihen der WJ gegangen war. Aufgrund der immer deutlicher hervortretenden Militanz und ihres aggressiven Auftretens wurde die WJ nach 42 Jahren 1994 endlich vom Bundesinnenminister verboten. Einige Zitate aus der Verbotsbegründung:

  • „Mit dieser Vorstellung (der der Nordlandideologie - MD), die vom Trägerverein des Hetendorfer Schulungszentrums, dem "Heide-Heim e. V" ebenfalls vertreten wird, knüpft die WJ nahtlos an die ideologische Vorstellungswelt insbesondere der SS an."
  • „Das Ausbildungsprogramm trägt die Züge der L.agererziehung der Hitler-Jugend. "
  • „Die Gewaltbereitschaft der WJ lässt sich bereits aus dem Umstand entnehmen, dass sie zu einem erheblichen Teil ihrer Tätigkeiten Wehrsportübungen veranstaltet und durchführt, die nicht nur auf körperliche Ertüchtigung, sondern auf militärischen Einsatz ausgerichtet sind."


Das Verbot war vom Niedersächsischen Innenministerium aufgrund der Pfingstaufinärsche in Hetendorf aus dem Jahre 1994 angeregt worden. Von 1986 an hatta•l über 25 WJ-Veranstaltungen auf dem Gelände des Hetendorfer Heide-Heimes stattgefunden. Allein die „Tage volkstreuer Jugend" zogen jedes Jahr bis zu 300 Wikinger an. Weiterhin fanden „Sommerlager", „Bundesthings" und „Schulungslager" in Hetendorf statt.

Quelle: Hetendorf 13 - Rechtsextremistisches "Heide-Heim" und
Schulungszentrum; Informations- und Pressemappe anlässlich der "Siebten
Hetendorfer Tagungswoche"; herausgegeben vom Hermannsburger Arbeitskreis
gegen Hetendorf 13; Hermannsburg / Hetendorf, Juni 1997.