Völkisch-neuheidnische Weltanschauungsgruppen

Herausgegeben vom "Hermannsburger Arbeitskreis gegen Hetendorf 13"

Hermannsburg, im Juni 1997


Die völkisch-neuheidnischen Gruppen stehen nur selten in der Öffentlichkeit und geben sich eher "unspektakulären Vergnügen" wie Sonnwendfeiern und Vorträgen über Germanentum hin. Unter ihnen ist in Bezug auf die Aktivitäten in Hetendorf die "Artgemeinschaft - Germanische Glaubens-Gemeinschaft wesensgemäßer Lebensgestaltung" hervorzuheben. Ihr Vorsitzender ist der beim Thema Hetendorf 13 unvermeidliche, Jürgen Rieger, ein bundesweit bekannter Rechtsextremist und Funktionär mehrerer neonazistischer Gruppierungen (siehe hierzu Artikel "Jürgen Rieger - Drahtzieher und Hintermann"). Die Artgemeinschaft wurde 1951 gegründet. Sie vereinigte sich 1965 mit der 'Nordischen Glaubensgemeinschaft e.V.", deren Wurzeln bis ins Jahr 1927 zurückgehen. Die Grundwerte der Artgläubigen sind im "Artbekennmis" niedergelegt, dessen erste Fassung der "Führerrat" der "Nordischen Glaubensgemeinschaft" bereits am 14.09.1933 (!) verabschiedete. Das "Artbekenntnis" besteht aus zvölf sogenannten 'Küren". Hier ein Auszug:
 
- Küre acht: "Unser Wille wird durch unser Wesen bestimmt. Es wird durch Erbanlage und Umwelt, Prägung und Erziehung geformt. Wir bekennen uns zur Wertung des Menschen nach Haltung, Leistung und Bewährung.“

Eine Art "praktischen Lebensleitfaden" stellt zudem das "Sittengesetz unserer Art" dar. Rieger schreibt darüber in der Grundsatzschrift "Der Glaube unserer Art":

- „Wir haben dann ... das "Sittengesetz unserer Art" geschaffen, das das ausdrückt, was unsere heidnischen Vorfahren als richtungsgebend für ihr Leben empfanden, und was bei Wegkratzen der christlichen Tünche bei nordischen Menschen noch heute zum Vorschein kommt."

Das "Sittengesetz" beinhaltet u.a. folgende "Küren":

- Küre zwei: " Das Sittengesetz in uns gebietet Tapferkeit und Mut in jeder Lage, Kühnheit und Wehrhaftigkeit bis zur Todesverachtung gegen jeden Feind von Familie, Sippe, Land, Volk, germanischer Art und germanischem Glauben.“
- Küre 17: " Das Sittengesetz in uns gebietet Gefolgschaft dem besseren Führer, mit Recht und Pflicht zu abweichendem Rat, nach bestem Wissen und Gewissen."
- Küre 19: " Das Sittengesetz in uns gebietet gleichgeartete Gattenwahl, die Gewähr für gleichgeartete Kinder."

Kennzeichnend für die Artgemeinschaft ist neben Rassismus, einem hierarchischen Führerprinzip und der Ideologie von der Überlegenheit des "nordischen Menschen" zudem eine aggressiv-antichristliche Ausrichtung. So wird in der Schrift "Die gewaltsame Christianisierung" konstatiert, das Christentum sei "dem deutschen Wesen entgegengesetzt". Behauptet wird, daß die christliche Lehre den "germanischen Vorfahren" gewaltsam aufgezwungen worden sei, was zum bis heute andauernden Identitätsverlust des "nordischen Menschen" geführt haben soll.

Im Vereinsorgan der Artgemeinschaft, der "Nordischen Zeitung", die der Schriftleitung von Rieger unterliegt, wird denn auch regelmäßig gegen christliche Einrichtungen Hetze betrieben, unter der Rubrik "Neues vom alten Feind". In der Ausgabe zwei der "Nordischen Zeitung" aus dem Jahre 1995 war in einem Artikel über die "Stemsingeraktion" der katholischen Kirche zu lesen:

"Die Spenden in diesem Jahr sollen dafür verwendet werden, um Brunnen in Mosambik zu bohren, damit der enorme Bevölkerungsüberschuß in diesem afrikanischen Lande noch größer wird (Anmerkung: in zwanzig Jahren haben wir die dann als Asylanten hier).“
 
Solch primitiv-rassistische Ausfälle machen die Ausrichtung der Artgläubigen, die sich nach außen gern als unpolitisch darstellen, klar. So überrascht es nicht, dass nach dem Verbot der militant-neonazistischen „Nationalistischen Front" viele ehemalige Mitglieder Unterschlupf bei der Artgemeinschaft suchten.
 
Die Altgemeinschaft ist es auch, die maßgeblich die Aktivitäten der „Hetendorfer Tagungswoche" bestimmt. Neben ihr laden allerdings noch weitere neuheidnisch-rassistische Organisationen zur „Tagungswoche" ein, so der „Nordische Ring e.V.." und die „Northern League".  
 
1994 fand außerdem auf dem Hetendorfer Gelände der sog. „Hemannstag" des „Bundes der Goden" statt. Auch die Goden sind eine neuheidnisch-völkische Sekte, die „herrenmenschelnden" Vorstellungen anhängen. Teilnehmer des Treffens in Hetendorf 13 war u.a. der ehemalige Rechtsterrorist Manfred Roeder, der 1982 aufgrund von Anschlägen seiner „Deutschen Aktionsgruppen" auf Asylbewerberheime, bei denen 1980 zwei Vietnamesen ums Leben kamen, zu 13 Jahren Haft verurteilt worden war. Die personellen Verflechtungen von neuheidnischen Sekten und militant-rechtsextremistischen Gruppierungen sind teilweise fließend.

Quelle: Hetendorf 13 - Rechtsextremistisches "Heide-Heim" und
Schulungszentrum; Informations- und Pressemappe anlässlich der "Siebten
Hetendorfer Tagungswoche"; herausgegeben vom Hermannsburger Arbeitskreis
gegen Hetendorf 13; Hermannsburg / Hetendorf, Juni 1997.