Die Nationalistische Front (NF)

Droh-Parole der Nationalistischen Front (NF).
Auch die Nationalistische Front nutzte "Hetendorf 13" für Tagungen.

Herausgegeben vom "Hermannsburger Arbeitskreis gegen Hetendorf 13"

Hermannsburg, im Juni 1997


Mit der Gründung der „Nationalistischen Front" wurde 1985 der Versuch unternommen, eine nationalrevolutionäre Kaderpartei zu gründen, die sich programmatisch am sozialistisch geprägten Nationalismus der Gebrüder Strasser, zweier an Hitler gescheiterter Ideologen der NSDAP der 20er Jahre orientieren sollte. Mit Schlagwörtern wie „Antikapitalismus", „Antiimperialismus" und der Thematisierung von Umweltproblemen sollte sie gezielt auch in bisher eher linkes Terrain eindringen. Der Versuch find 1992 mit dem bundesweiten Verbot der NF ein jähes Ende.
 
Um dem Status der Kaderorganisation gerecht zu werden, setzt die NF ihre Mitglieder weitreichenden ideologischen und paramilitärischen Schulungen aus. Gefordert wurden unter anderem Waffenkenntnisse, körperliche Belastbarkeit und zahlreiche weitere Fähigkeiten. Finanziell sicherten sich die Nationalrevolutionäre über einen florierenden Versandhandel, den „Klartext-Verlag", ab. Vertrieben wurden T-Shirts, Aufkleber, Fahnen usw. mit Aufschriften wie „Ich bin stolz, ein Neonazi zu sein" und „Rudolf Hess lebt", aber auch Tonträger mit Reden von Göring bis Goebbels. Die zweifelhaften „Fanartikel" erfreuten sich in der gesamten Szene, insbesondere aber unter Skinheads, größter Beliebtheit.
 
Entsprechend den provokanten Aufdrucken ihrer Verkaufsartikel wurde auch die Ausrichtung der NF im Laufe der Jahre immer aggressiver* bis sie in ihrer Endphase teilweise sogar offen militant auftrat. So hatte NF-Chef Meinolf Schönborn im Jahre 1991 zur Bildung „Nationaler Einsatzkommandos (NEKs)" aufgerufen. In seinem Aufruf hieß es:

„Um unseren Kampf für ein' völkisches Deutschland • besser, zielgerichteter, sicherer und noch erfolgreicher durch/ihren zu können, haben wir beschlossen, ein NEK aufzustellen. Die Aufgaben des NEKs werden sein:

  • Aufstellung kadermäßig gegliederter hochmobiler Verbände
  • Ausbildung von sportlichen und gesunden Kameraden für den politischen Kampf auf der Straße
  • Planung und Durchführung von überraschend durchgeführten zentralen Aktionen."


Der Versuch, diese rechte Schlägertruppe nach SA-Manier ins Leben zu rufen, brachte Schönborn ein Ermittlungsverfahren der Bundesanwaltschaft ein. Ermittelt wurde wegen des Verdachts der Gründung einer terroristischen Vereinigung. Im Zuge dieser Ermittlungen wurde die NF am 27.11.1992 bundesweit verboten. Doch schon 1994 wurden Stimmen laut, die den Strafverfolgungsbehörden mangelnde Konsequenz bei der Durchsetzung des Verbotes vorwarfen. So wurden zum Beispiel NF-Vorfeldorganisationen wie der „Förderkreis Junges Deutschland" nicht verboten, das NF-Bundeszentrum in Pivitsheide wurde nicht geschlossen, und es gab immer wieder Anzeichen einer Neuformierung der ehemaligen NFler.
 
Auch im Hetendorfer Heide-Heim sollen Zusammenkünfte der NF noch nach ihrem Verbot stattgefunden haben. Zumindest aber der letzte Bundesparteitag der NF fand am 27.06.92 in Hetendorf statt. Zudem war für Dezember 92 laut Protokoll einer Sitzung der „Obersten Leitung" eine Wintersonnwendfeier im Heide-Heim geplant, der jedoch das Verbot zuvorkam. 1988 hatte ein Ausbildungslager fir „Kaderanwärter" auf dem Gelände stattgefunden. Außerdem hatten immer NFler an den "Tagen volkstreuer Jugend" der WikingJugend teilgenommen. Und auch während der „Tagungswoche" des vergangenen Jahres bewiesen ehemalige NF-Funktionäre ihre Verbundenheit zum Heide-Heim: in der von Jürgen Rieger zusammengestellten „Schutztruppe" für das Zentrum befand sich beispielsweise der ehemalige NF-Schulungsleiter Steffen Hupka.

Quelle: Hetendorf 13 - Rechtsextremistisches "Heide-Heim" und
Schulungszentrum; Informations- und Pressemappe anlässlich der "Siebten
Hetendorfer Tagungswoche"; herausgegeben vom Hermannsburger Arbeitskreis
gegen Hetendorf 13; Hermannsburg / Hetendorf, Juni 1997.