Hetendorfer Tagungswoche

Herausgegeben vom "Hermannsburger Arbeitskreis gegen Hetendorf 13"

Hermannsburg, im Juni 1997


Die „Erste Hetendorfer Tagungswoche" fand im Jahre 1991 statt. Sie ging damals aus dem offenbar recht erfolgreich verlaufenen Gemeinschaftstag der „Artgemeinschaft" hervor, der 1990 in Hetendorf stattgefunden hatte.
 
Die „Tagungswoche“ ist heute die letzte regelmäßig stattfindende Veranstaltung im Hetendorfer „Heide Heim". Ihr Programm beinhaltet zum größten Teil Vorträge, deren Themen sich meistens für den Laien unverdächtig bis harmlos darstellen. Doch bei genauerem Hinsehen verbirgt sich dahinter dieselbe menschenfeindliche Ideologie, die auch in der Vergangenheit für Treffen in Hetendorf 13 charakteristisch war. Mehr noch, es liegen sowohl bei den Themen als auch bei den Referenten direkte Verbindungen zur rechtsextremistischen Szene vor. Geboten wird ein „Mischmasch" aus mythologisch angehauchten, vermeintlich historischen und volkstümelnden Themen, aber auch Vorträge, die den Nationalsozialismus verherrlichen. Die veranstaltenden Gruppierungen der „Tagungswoche" waren im vergangenen Jahr:

  • die „Artgemeinschaft - Germanische Glaubensgemeinschaft e.V." (nähere Erläuterungen zu ihr finden Sie im Artikel „Völkisch-neuheidnische Weltanschauungsgruppen")
  • das „Familienwerk e.V."
  • die „Gesellschaft für biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung" 
  • (laut Verfassungsschutzbericht 1988 publiziert sie "rassistische, insbesondere ausländerfeindliche Thesen“. Nach „Rororo-Handbuch Rechtsextremismus" soll sie etwa 100 Mitglieder haben, "meist Ärzte, Anthropologen und Juristen". Vorsitzender ist seit 1974 Jürgen Rieger)
  • der „Heide-Heim e.V." (es handelt sich um den Hamburger Trägerverein von Hetendorf 13)
  • der „Heinrich-Anacker-Kreis" (ein kleiner Theoriezirkel von Anhängern des gleichnamigen Schriftstellers)
  • der „Nordische Ring e.V." und seine europäische Schwesterorganisation „Northern League" 
  • (der „Nordische Ring" ist ein Theoriezirkel mit Sitz in Schleswig-Holstein, der sich gegen „Rassenvermischung" und „Überfremdung" ausspricht. Über die „Northern League" bestehen Kontakte zu gleichgesinnten Gruppierungen in den Benelux-Staaten, Großbritannien und den USA).

 
Anhand von Erläuterungen zu einigen Vortragsthemen und Referenten der letzten Jahre soll nun gezeigt werden, dass die „Tagungswoche" alles andere ist als ein harmloses Treffen von „Fans germanischer Geschichte":
 
Auf der „Sechsten Tagungswoche“ referierte Wolfgang Fachmann zum Thema „Jahrgang 1929". Dieser in rechten Kreisen geflügelte Begriff beschreibt die Generation, die aufgrund ihres Alters die erste war, die das nationalsozialistische Geflecht von Jugendorganisationen vollends durchlaufen musste, die also von Anfang an in der NS-Ideologie geschult wurden.
 
Auf der „Fünften Hetendorfer Tagungswoche" 1995 berichtete Gertrud Herr über „Inhaltsreiche Jahre". Sie ist Autorin des gleichnamigen Buches mit dem Untertitel: „Aus dem Leben einer BdM-Führerin" (Bund deutscher Mädel - NS-Jugendorganisation).
 
Karl Bassler referierte 1993 zum Thema „Die Zerstörung des deutschen Volkes durch die BRD-Ausländerpolitik" . 1994 hielt er einen Vortrag zum Thema „Die Kosten der Ausländer".
 
Ein fester Bestandteil jeder „Tagungswoche" ist die „Ehrung kinderreicher Mütter", die zweifelsohne an die Verleihung des „Mutterkreuzes" in der NS-Zeit anknüpfen soll.
 
Dass während der „Tagungswoche" nicht nur über vermeintlich unpolitische Themen gesprochen wird, dürfte nun erwiesen sein. Interessant sind ebenfalls die Verbindungen einiger Referenten und Teilnehmer, die in das gesamte rechte Spektrum reichen:

Mehrfacher Referent war beispielsweise Wolfgang Juchem. Juchem ist Gründungsmitglied der „Deutschen Volksunion - Liste D" und Vorsitzender der „Aktion freies Deutschland". Beim „Rudolf-Hess-Gedenkmarsch" 1992 trat er als Redner auf. In seinem Redebeitrag vertrat er damals die Ansicht, der Hitler-Stellvertreter Hess sei „wie ein leuchtender Stern Wegweiser für ein besseres Menschengeschlecht " gewesen.
 
1995 hielt Dr. Rolf Kosiek einen Vortrag zum Thema „Die Meinungsfreiheit in den Wissenschaften unter besonderer Berücksichtigung der Anthropologie". Kosiek ist ehemaliger Landesvorsitzender der NPD Baden-Württemberg und Vorsitzender der „Gesellschaft für freie Publizistik", der laut Bundesverfassungsschutzbericht 1995 „größten rechtsextremistischen Kulturvereinigung". Er ist Autor mehrerer Bücher und zudem Mitglied der „Gesellschaft für biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung".
 
Regelmäßig nimmt an der „Tagungswoche" auch der rechte „Kult-Barde" Frank Rennicke teil und steuert die „Lieder von und mit Frank Rennicke" bei. „Seine Musik thematisiert die Wehrmachtssoldaten, das Deutsche Reich unter Hitler, Ausländer- und Asylanten-Flut, Runen, Ostgebiete etc. Im Stil eines 'braunen Reinhard Mey`“ (zitiert nach R. Fromm - „Am rechten Rand"). Er tritt immer wieder bei Organisationen des gesamten Szenespektrums auf und ist bei allen gern gesehener Gast. So spielte er zum Beispiel bei der NPD und den REPS genauso wie bei der „Wiking-Jugend", in deren Vorstand er auch war. Für sie erwarb er auch   die Aufführungsrechte an der Liedersammlung „Wir singen Kampf- und Soldatenlieder". In ihr befindet sich hauptsächlich textlich leicht abgewandeltes SS-Liedgut, wie zum Beispiel das nach § 86a StGB verbotene „Lied der Bewegung": „Wenn der Sturmsoldat ins Feuer zieht, ja, dann hat er frohen Mut, und wenn die schwarz-weiß-rote Fahne weht, dann geht's noch mal so gut". In der ekelerregenden Originalversion der SS hieß es „ ...  und wenn das Judenblut vom Messer spritzt, dann geht's noch mal so gut ". Rennicke scheut sich offenbar nicht, die Tradition solcher Hetzlieder weiterzuführen. Zuletzt machte er von sich reden, als er bei der diesjährigen rechtsradikalen Mai-Kundgebung der „Jungen Nationaldemokraten“ in Hannoversch-Münden von Gegendemonstranten zusammengeschlagen wurde. 
 
Initiator der „Tagungswoche" ist Jürgen Rieger (siehe hierzu auch „Jürgen Rieger - Drahtzieher und Hintermann"), der es sich ebenfalls nicht nehmen lässt, alljährlich Vorträge zu Themen wie „Kultur als Spiegel des Volkes" zu halten. Zudem obliegt ihm die „Leitung" der „Tagungswoche".
 
Im vergangenen Jahr stellte Rieger im Vorfeld eine „Schutztruppe" zur Sicherung des „Heide-Heimes" zusammen. Mit ihrem martialischen Auftreten sorgte diese in den Medien für Schlagzeilen. Unter den rechten Schlägern fanden sich auch namhafte Funktionäre verbotener Organisationen wieder, wie z.B. Steffen Hupka (Ex-Schulungsleiter der „Nationalistischen Front"), Falco Schüssler (Ex-FAP-Funktionär), Thomas Wulff (Ex-Kader der „Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front") und Torsten de Vries (Ex-Führer des „Deutschen Kameradschaftsbundes"). Auch in diesem Jahr wurde bereits über eine Anzeige in der Neonazi-Postille „Hamburger Sturm" (siehe Materialien) versucht, Interessenten für eine neue Schutztruppe zu finden.

Quelle: Hetendorf 13 - Rechtsextremistisches "Heide-Heim" und
Schulungszentrum; Informations- und Pressemappe anlässlich der "Siebten
Hetendorfer Tagungswoche"; herausgegeben vom Hermannsburger Arbeitskreis
gegen Hetendorf 13; Hermannsburg / Hetendorf, Juni 1997.

Weitere Treffen in Hetendorf 13

Weiterhin fanden in Hetendorf 13 noch eine große Anzahl nicht regelmäßiger Treffen statt.
Hier einige Beispiele:
 

  • August 1989:  „Hetendorfer Dichtertage", veranstaltet von der "Gesellschaft für freie Publizistik", dem "Heinrich-Anacker-Kreis" und dem - "Freundeskreis Filmkunst".
  • März 1992:  Die Hamburger "Nationale Liste (NL)“ (heute verboten) veranstaltet einen Vortrag mit dem Szene-bekannten Revisionisten David Irving in Hetendorf. Den hatte die Bundesregierung zwar aufgrund seiner Auschwitz leugnenden Thesen zur "unerwünschten Person" in  Deutschland erklärt und ihm damit die Einreise verboten, doch das Treffen in Hetendorf konnte trotz dessen stattfinden.
  • September 1993:  Die "Skingiri Front Deutschland" veranstaltet ihr erstes Bundestreffen in Hetendorf 13.

 
Außerdem richteten verschiedene Gruppen in unregelmäßigen Abständen Wehrsportübungen in Hetendorf aus, z.B. im August 1988, im November 1990 und im August 1992.