Neonazi-Treffpunkt Hetendorf 13

Rechtsextremes Schulungszentrum "Hetendorf 13"

Jürgen Rieger †, Hamburger Rechtsanwalt und Bundesvize der NPD.

"Hetendorf 13" war auch das Zentrum der Wiking-Jugend

Neonazis feiern Sonnwende in Hetendorf 13

Herausgegeben vom "Hermannsburger Arbeitskreis gegen Hetendorf 13"

Hermannsburg, im Juni 1997


Hetendorf ist ein kleiner Ort in der Lüneburger Heide. Er liegt im nördlichen Teil des Landkreises Celle in der Gemeinde Hermannsburg und zählt um die 200 Einwohner. Das Ortsbild wird überwiegend von der Landwirtschaft geprägt.
 
Seit 1979 ist das Anwesen Hetendorf Haus Nr. 13 im Besitz rechtsextremistischer Gruppen. Früher beherbergten die vier Gebäude am Ortsrand von Hetendorf einmal ein Kinderheim der Celler Lobetalarbeit, die es aber aufgrund des Manöverlärms der naheliegenden Truppenübungsplätze für Therapienzwecke als ungeeignet ansah.
 
Der „Freundeskreis Filmkunst (FFK)" erwarb das Gelände 1979 vom Bundesvermögensamt Soltau. Die Mitglieder des FFK sind zumeist leicht ergraute Cineasten, die den Nationalsozialismus teilweise noch selbst miterlebten und heute bei ihren Gruppenabenden mit entsprechendem Filmgut die alten Zeiten wiederaufleben lassen. Mitte der 80er Jahre gelangte die „Gesellschaft für biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung (GffAEV)“ durch eine Erbschaft an ein Drittel des Anwesens. Die so wissenschaftlich anmutende Gesellschaft mit dem schwierigen Namen ist nichts weiter als ein Zusammenschluss rechtsradikal denkender Ärzte, Juristen und Professoren, die pseudowissenschaftlich die Ungleichheit der Menschenrassen und die Überlegenheit des „nordischen Menschen" zu begründen suchen. FFK und GfbAEV benutzten ihr Zentrum Hetendorf 13 für eigene Tagungen und stellten es zudem zahlreichen anderen gleichgesinnten Gruppierungen zur Verfügung. Für die laufende Unterhaltung des Zentrums sorgt bis heute das betagte Hausmeisterehepaar Ilse und Otto Koch, beides alte NPD-Anhänger.
 
1992 änderten sich die Besitzverhältnisse, wahrscheinlich aufgrund steuerlicher und juristischer Überlegungen. Träger der Anlage in Hetendorf wurde nun ein eigens für diesen Zweck gegründeter „HeideHeim e.V." in Hamburg. Er sieht das Anwesen in Hetendorf laut Satzung als „Einrichtung aller Kultur- und Jugendveranstaltungen des rechten Lagers“ an. Gleichzeitig wurde in Buchholz/Niedersachsen ein namensähnlicher „Heideheim e.V." aus der Taufe gehoben, dessen Aufgabe es ist, den finanziellen Hintergrund des Tagungszentrums zu gewährleisten, indem Förderer des Projekts gewonnen werden sollen. Laut niedersächsischem Verfassungsschutzbericht von 1993 ist der Hamburger Rechtsanwalt Jürgen Rieger maßgebliches Vorstandsmitglied" in beiden Vereinen. Rieger ist zudem Vorsitzender der GfbAEV und Mitglied des FFK. Er ist es, der die Aktivitäten in Hetendorf 13 „maßgeblich steuert" (Niedersächsischer Verfassungsschutzbericht 1995 - siehe hierzu auch Artikel „Jürgen Rieger - Drahtzieher und Hintermann").
 
1990 hatte er noch versucht, den „Stützpunkt Hetendorf“ zu erweitern. Für das Haus Nr. 47 in Hetendorf, das damals zur Versteigerung stand, gab er als Vorsitzender der GfbAEV mit 312.000 DM das Höchstgebot ab. Doch aufgrund starker Proteste der Hetendorfer Bevölkerung erhielt trotz des niedrigeren Gebots ein Architekt aus dem Dorf den Zuschlag. Rieger rächte sich mit Hetzschreiben, die er von Getreuen in alle Briefkästen stecken ließ.
 
Die jeweiligen Besitzervereine stellten das Hetendorfer Gelände immer wieder anderen rechten Gruppierungen zur Verfügung. Und das ländlich-abgeschiedene Heide-Heim erfreute sich mit seinen 7000qm Fläche und den für rund 300 Personen größter Beliebtheit. Gäste aus der gesamten Bundesrepublik und teilweise sogar aus dem europäischen Ausland reisten gleich zu hunderten an, wenn Treffen in Hetendorf angesagt waren. So galt das Anwesen mit der Nummer 13 lange Zeit als eines der bedeutendsten rechtsextremistischen Zentren in der Bundesrepublik. 1994 stellte denn auch der niedersächsische Verfassungsschutz in seinem Jahresbericht fest: „Die Bedeutung der Tagungsstätte in Hetendorf lag in der Vergangenheit darin, dass sich hier Vernetzungen der rechtsextremistischen Szene in Deutschland bildeten". Der Sprecher der Behörde, Hans Rüdiger Hesse, sagte 1996 darüber hinaus, dass „die Bedeutung von Hetendorf 13 in der Vergangenheit weit über den norddeutschen Raum hinausging". Da eine vollständige Auflistung der Gäste des Heide-Heimes den Rahmen dieser Broschüre sprengen würde, sollen im Folgenden Gruppierungen kurz vorgestellt werden, die das Geschehen in Hetendorf lange Zeit prägten.

Quelle: Hetendorf 13 - Rechtsextremistisches "Heide-Heim" und
Schulungszentrum; Informations- und Pressemappe anlässlich der "Siebten
Hetendorfer Tagungswoche"; herausgegeben vom Hermannsburger Arbeitskreis
gegen Hetendorf 13; Hermannsburg / Hetendorf, Juni 1997.