Neonazis besetzen das „Landhotel Gerhus“


Auf Anweisung von Jürgen Rieger besetzten Mitglieder der Neonazi-Kameradschaft 73 aus Celle 2009 das „Landhotel Gerhus“ bei Faßberg. Sie hatten die Schlösser aufgebohrt und das Gebäude gesetzeswidrig eingenommen. Rieger wollte aus dem Hotel mit 50 Zimmern und 200 Betten erneut ein Schulungszentrum für Neonazis machen und den angrenzenden Campingplatz als Lagerplatz der rechtsextremen Jugend nutzen. Es sollte eine Neuauflage von „Hetendorf 13“ werden.

Sie können sich vorstellen, welch ein Aufschrei diese Nachricht in unserer Region ausgelöst hat.  Rieger war für uns ja kein Unbekannter.

Anna Jander organisierte tägliche Mahnwache vor dem Hotel. Am ersten Tag waren wir 12 Personen, am siebten Tag schon 350. Am zehnten Tag ordnete das Landgericht Lüneburg an, dass die Nazis das Hotel sofort räumen müssten. Der Gerichtsvollzieher gab den Besetzern 30 Minuten, das Gebäude zu verlassen. Wir blieben, bis der letzte Nazi das Hotel verlassen hatte.  Anschließend feierten auf dem Stoppelfeld, gegenüber des Hotels.

Schon am nächsten Tag wurde im Internet die erste heftige Drohung gegen uns ausgesprochen. Die Zwangsräumung des Landhotels hatte die Neonazis wutentbrannt aus der Reserve gelockt. Die Anfeindungen gegen uns nahmen von da an enorm zu, vor unseren privaten Haustüren, per Mail, per Post, im Internet.

Die Situation eskalierte noch mehr, als Jürgen Rieger zwei Monate später auf dem NPD-Parteitag in Berlin plötzlich und unerwartet an den Folgen eines Schlaganfalls verstarb. Die Rechtsextremen konnten das „Landhotel Gerhus“ nämlich nicht mehr ersteigern. Rieger hatte weit über € 1,2 Millionen für diese Schrottimmobilie geboten.  Niemand außer Rieger hatte aber Zugriff auf das Geld.

Die Versteigerung fand am 16. Dezember 2009 statt. Das Hotel wurde für € 500.000 an Frau Brigitte Friedrich aus Celle versteigert, die daraus ein Heim für Suchtkranke gemacht hat.

Die Anfeindungen, Einschüchterungsversuche und Attacken gegen uns hielten noch lange an. Der Höhepunkt war im Dezember 2011 ein Brandanschlag auf unser Pfarrhaus in Unterlüß.  Auch auf das Haus von Anna Jander und Klaus Jordan in Niederohe wurde in der gleichen Nacht ein Molotowcocktail geworfen. Die Wut der Nazis traf auch weitere Mitstreiterinnen und Mitstreiter.